Wie ich zu meinem Hörgerät gekommen bin
- Mein kleiner Liebling –
Eine kleine Geschichte mitten aus dem Leben von Dieter Matz
Meine Freundin Helga ist eigentlich nicht streitsüchtig, aber gestern hat es doch zwischen uns gekracht.
Sie meinte, daß gegen 4.00 Uhr früh die Drossel bei uns gesungen hätte . Wir wohnen ja im gleichen Haus. Ich habe, obwohl ich wach war, keine Drossel singen gehört.
Das machte mich doch etwas stutzig. Zumal am Montag unser doch sehr nette Nachbar -auf dem Fahrrad- mit mir geschimpft hatte, weil ich nicht stehen geblieben war – obwohl er geklingelt hatte- und er mich beinahe umgefahren hätte.
Beiläufig erzählte ich das beim nächsten Besuch meinem Hausarzt. Er meinte, ich überweise Sie mal vorsichtshalber zum Hörtest zu Frau Dr. Reeck. Sie ist Fachärztin für Hals, Nase und Ohren.
Na ja , da ging das mit dem schlechten Hören weiter .Die Sprechstundenhilfe kam zu mir in den Warteraum und sagte, sie hätte mich schon zwei Mal aufgerufen. Ich hatte das nicht gehört. Sie führte mich dann in eine Kabine . Ich bekam einen Kopfhörer auf und mußte Töne erkennen und dann sofort einen Knopf drücken . Mit einer Stimmgabel am Kopf hörte ich herrliche Klänge.
Es war nicht ungemütlich, es war interessant.
Dann bekam ich den Teststreifen und eine Verordnung für den Hörgeräte-Akustiker.
Meine Freundin Helga kannte eine solche Praxis in der Nachbarschaft. Sie wollte mich begleiten. Das fand ich sehr gut. So war mir doch wohler dabei.
Alles sehr nett, die Räume, die Meisterin und eine ungezwungene Begrüßung mit einem „Käffchen“. Dann aber wieder eine Hörprüfung, jedoch aufwändiger . Das muß auch sein meinte Frau Kaiser, die Hörgeräte-Akustik-Meisterin.
Wir beide werden nun in mehreren Sitzungen Ihr Gehör prüfen und eine für Ihre spezielle Hörstörung erforderliche Anpassung an verschiedenen Geräten vornehmen. Sie werden dabei auch Geräte mit verschiedenen Einstellungen im Alltag zur Probe tragen. Solange, bis Sie , Ihr Gehör und das Gerät eine fast natürliche Einheit bilden und Sie die Drossel am Morgen wieder hören.
Am Freitag traf ich meine Schulfreundin Petra. Natürlich erzählte ich ihr von meinem Hörproblem. Ach, sagte sie, bei mir liegt seit fünf Jahren auch so ein Ding in der Schublade und bei meinem Schwager auch. Die Dinger piepen doch nur und besser hören kann man auch nicht.
Das war Wasser auf meine Mühle. Ich erzählte das beim nächsten Termin meiner Frau Kaiser. Nun, sagte die Meisterin, dann hat die Zusammenarbeit zwischen Patient und Akustiker nicht gut geklappt. Ihre Schulfreundin sollte besser wieder zum Akustiker gehen und eine erneute Anpassung des Gerätes oder der Einstellung vornehmen lassen.
Wir werden für Sie, in kleinen Schritten, genau das passende Gerät und die beste persönliche Einstellung erarbeiten.
Sie hatte Recht. Nichts mit „Schublade“ bei mir. Mein Gerät ist jetzt „mein kleiner Liebling“ und die Krankenkasse hat den Zuschuß auch schon bewilligt und bezahlt.
Alle drei Monate - so hat mich die nette Meisterin gebeten- soll ich bei ihr vorbei schauen, damit das Gerät immer gut gepflegt und einsatzfähig bleibt. Nur in der Nacht gönne ich meinem kleinen Liebling seine Ruhe. Dann liegt er neben mir auf dem Nachttisch und am Morgen, wenn ich wieder wach bin und er seinen Platz im Ohr wieder eingenommen hat, dann höre auch ich die Drossel singen.

